Digitalisieren

In diesem Artikel möchte ich zeigen, wie Kassetten, Bänder oder MiniDiscs qualitativ bestmöglich mit dem PC digitalisiert bzw. in den PC überspielt werden.

Die Seite soll ein paar grundlegende Tipps für Einsteiger geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Neben den untenstehenden Tipps ist es z. B. bei Bändern und Kassetten noch sehr empfehlenswert, den Azimuth des Tonkopfes einzustellen. Dies ist bei den meisten Hifi-Geräten ohne bauliche Veränderungen nicht oder nur sehr umständlich möglich, trägt allerdings sehr zur Verbesserung der Tonqualität bei. Ebenso kann bei der Verbindung eines Tapedecks oder Tonbandgerätes mit dem PC über Klinke-/Cinch-Kabel eine Brummschleife/Masseschleife entstehen, welche sich nicht immer ganz beseitigen lässt. Daher übernehme ich gerne die Digitalisierung sämtlicher Medien mit Mitschnitten und überspiele diese in bestmöglicher Qualität mit professionellen Geräten.

1. Wiedergabegeräte

Das meistverwendete Medium im Heimbereich ist mit Abstand die Compact Cassette. Für den Kauf eines Tapedecks kann ich folgende Empfehlungen aussprechen:

  • Das Gerät sollte möglichst von Anfang oder Mitte der 1990er Jahre sein. Diese Geräte sind aus den letzten richtig guten Serien.
  • Das Gerät sollte mindestens Dolby B und Dolby C Rauschunterdrückung unterstützen, um Kassetten, die mit diesen Verfahren aufgenommen wurden, korrekt abspielen zu können. Dolby S und dbx haben eine weniger große Verbreitung, sollten aber auch nur mit einem entsprechenden Tapedeck abgespielt werden.
  • Geräte, die ein Kassettendeck UND einen USB-Anschluss in sich vereinen, sind meist Billigware und in nicht für qualitativ hochwertige Ergebnisse brauchbar (das sollte meistens auch am Preis erkennbar sein)!

Ausführlichere Informationen zu den verschiedenen Medien und Abspielgeräten sind hier zu finden. Ich verwende zur Digitalisierung von Kassetten und Tonbändern ausschließlich professionelle Geräte von Studer/ReVox, AEG-Telefunken, Otari, Panasonic und Sony.

Ein paar grundsätzliche Tipps für Tapedecks und Bandmaschinen, bevor es mit dem Abspielen losgeht:

Die Tonköpfe müssen regelmäßig gereinigt werden. Da das Band am Tonkopf entlang gezogen wird, entsteht ein Abrieb, der sich mit der Zeit auf den Tonköpfen sammelt und die Wiedergabequalität beeinträchtigt. Das Reinigen der Tonköpfe ist sehr einfach: Ein Wattestäbchen mit einem Tropfen Isopropanol (Reinigungsalkohol) beträufeln und damit die Tonköpfe und den Capstanmotor abreiben.

ReVox B215 Tonkopfreinigung ReVox A77 Tonkopfreinigung

Durch die Magnetisierung des Bandes werden die Tonköpfe mit der Zeit selbst magnetisch, was sich ebenfalls negativ auf die Wiedergabe auswirken kann. Mit einer Entmagnetisierungsdrossel kann dies rückgängig gemacht werden. Ich verwende einen Head Demagnetizer AH-20 von Akai, welcher sehr praktisch ist, da er auf Knopfdruck entmagnetisiert. Die Benutzung von normalen Entmagnetisierungsdrosseln ist leider etwas umständlicher. Vor der Benutzung sollte man sich hier auf jeden Fall die Bedienungsanleitung zu Herzen nehmen und sich informieren. Eine weitere Alternative sind Entmagnetisierungskassetten, bei denen die Elektronik im Gehäuse eingebaut ist.

ReVox B215 Entmagnetisierung

Diese Tipps sind bei DAT- und VHS-Geräten nicht so leicht anwendbar, da dort eine sehr aufwendige Mechanik und Bandführung verwendet wird und die Tonköpfe von außen nicht zugänglich sind. Daher sollte eine Reinung dem Fachmann überlassen werden. Grundsätzlicher Tipp für den Kauf von DAT-Geräten: Das Gerät sollte neben den Samplingfrequenzen 44,1 kHz und 48 kHz auch den Longplay-Modus mit 32 kHz unterstüzen, da dieser im Heimbereich gerne Anwendung gefunden hat. Außerdem sollte ein DAT- oder MiniDisc-Rekorder mindestens einen digitalen Ausgang (S/PDIF oder AES/EBU) besitzen, um ihn digital mit der Soundkarte verbinden zu können (Achtung: es gibt auch Geräte, die nur digitale Eingänge haben!). Bei VHS-Rekordern empfehle ich ähnlich wie bei Tapedecks ein Gerät von Anfang oder Mitte der 1990er Jahre, welches natürlich Longplay und Hifi-Stereo-Audio unterstützen sollte.

2. Analog/Digital-Wandler und Soundkarte

Die zweite wichtige Komponente im Signalweg ist die Stelle, an der aus dem analogen ein digitales Audiosignal wird.
So gut wie alle heutige PCs und Notebook besitzen eine Onboard-Soundkarte mit Line In über eine 3,5 mm Klinkenbuchse.

Line In (blau) einer Onboard-Soundkarte

Das Wiedergabegerät kann an diese Buchse mit einem entsprechendem Kabel (z.B. Cinch auf 3,5 mm Klinkenstecker) direkt angeschlossen werden. Hier kann es allerdings schnell zu einer Brummschleife/Masseschleife kommen, welche sich durch einen dauerhaften Brummton auf der Aufnahme bemerkbar macht. Ein Übertrager (Massetrennfilter) kann hier Abhilfe schaffen, muss aber nicht. Dieses Problem lässt sich bei der Verwendung von Onboard-Soundkarten leider nicht immer beheben.

In der Windows 7-Systemsteuerung -> Sound werden unter der Registerkarte „Aufnahme“ alle Eingänge der Soundkarte(n) angezeigt. Mit einem Doppelklick auf den entsprechenden Eingang werden die Eigenschaften angezeigt.

Bei gesetztem Haken „Dieses Gerät als Wiedergabequelle verwenden“ wird der Eingang auf die Lautsprecher geschaltet. Dies ist notwendig, um die laufende Aufnahme zu hören.

Windows 7 Systemsteuerung

Unter der Registerkarte „Pegel“ ist der Eingangspegel einstellbar. Hier muss je nach Ausgangspegel des angeschlossenen Wiedergabegerätes entsprechend ausgesteuert werden.

Windows 7 Systemsteuerung

Unter der Registerkarte „Erweitert“ ist das Standard-Audioformat einzustellen (2 Kanal, 16 Bit, 44100 Hz)

Windows 7 Systemsteuerung

Mixer der RME HDSP9632RME DIGICheckMit einer professionellen Soundkarte, die neben symmetrischen analogen Eingänge auch digitale Eingänge und erweiterte Konfigurationsmöglichkeiten besitzt, lassen sich bessere Ergebnisse erziehlen und Brummschleifen sollten damit nicht auftreten. Als Beispiel möchte ich die Soundkarten HDSP 9632 (PCI) oder HDSPe AIO (PCI Express) von RME nennen. Diese Soundkarten bieten symmetrische analoge und digitale Ein- und Ausgänge sowieso digitale optische Ein- und Ausgänge. RME bietet mit der Software DIGICheck außerdem ein kostenloses und sehr nützliches Analysetool für seine Soundkarten an.

Mit dem Mixer von RME können sämtliche Eingänge und Ausgänge überwacht werden und die Eingänge direkt auf die Ausgänge geschaltet werden (Direct Monitoring). Die unpraktische Windows-Lautstärkeregelung wird dadurch komplett ersetzt.

DAT- und MiniDisc-Geräte sollten unbedingt über eine digitale Schnittstelle mit der Soundkarte verbunden werden. Über eine analoge Verbindung würde das Material zunächst vom Wiedergabegerät von digital nach analog und anschließend von der Soundkarte wieder von analog nach digital gewandelt werden, was einen unnötigen Qualitätsverlust mit sich zieht. Die meisten DAT- und MiniDisc-Geräte besitzen einen optischen oder koaxialen S/PDIF-Ausgang (Toslink/Cinch), professionelle Geräte einen AES/EBU-Ausgang (XLR). Onboard-Soundkarten haben mittlerweile meist auch einen entsprechenden digitalen Eingang. Die oben genannten Soundkarten von RME besitzen einen optischen Eingang, der neben S/PDIF auch das ADAT-Format unterstützt, sowie einen koaxialen Eingang, der zwischen S/PDIF und AES/EBU umschaltbar ist.

3. Aufnahmeformat und Aussteuerung

Ich empfehle für die Digitalisierung eine Abtastrate von 44,1 kHz und eine Bittiefe von 16 Bit. Dies entspricht CD-Qualität, höhere Werte dürften nur bei extrem guten Studiobändern Sinn machen. Bei einer Überspielung von DATs oder MiniDiscs legt das Quellmedium die Werte bereits fest und es macht keinen Sinn, mit anderen (höheren) Werten (z. B. 24 Bit anstelle von 16 Bit) aufzunehmen.

Ein wichtiger Punkt ist die Aussteuerung. Analog war es möglich, Kassetten oder Bänder etwas zu übersteuern. Dies hatte bis zu einem gewissen Punkt keinen negativen Effekt. Digitales Übersteuern ist dagegen absolut verboten.
In der analogen Welt gibt es verschiedene Skalen. Oft verwendet werden dBu und dBr (Rundfunk). Die Werte gehen bei diesen Skalen über die 0 dB-Grenze hinaus. In der digitalen Welt gibt es nur eine Skala: dBFS (FS = Full Scale). Diese Skala endet bei 0 dBFS – eine Grenze, die nicht überschritten werden darf und technisch gesehen auch nicht überschritten werden kann. Bei 0 dBFS sind alle Bits gesetzt und es ist nicht möglich, höher auszusteuern, da keine weiteren Bits mehr zur Verfügung stehen. Wird übersteuert („mehr“ als 0 dBFS), kommt es zu Verzerrungen.

Ich empfehle, um -9 dBFS auszusteuern. Pegelspitzen dürfen dabei ein paar dB über diese Grenze gehen, meist sollte der Pegel aber um -9 dBFS sein. Der Aussteuerungsmesser von Audacity zeigt dBFS an.
Warum aber nicht höher aussteuern? Befinden sich die Pegelspitzen noch höher, besteht schnell die Gefahr der Übersteuerung (also 0 dBFS) und dies gilt es auf jeden Fall zu vermeiden. Selbst wenn im oberen Bereich immer 4 bis 8 dB unangetastet bleiben, schadet dies in keinem Fall der Audioqualität.

4. Software

Die passende Software zur Aufnahme gibt es in der einfachen Variante kostenlos im Internet. Im diesem Beispiel verwende ich das freie Programm Audacity. Die folgende Anleitung bezieht sich auf Version 2.0.5.

Nach dem Starten von Audacity muss unter Bearbeiten -> Einstellungen -> Geräte für die Wiedergabe und Aufnahme die entsprechende Soundkarte ausgewählt werden, in diesem Fall die Onboard-Karte „High Definition Audio“. Da die meisten Soundkarten mehrere Eingänge besitzen und die Bezeichnungen oft nicht aussagekräftig sind, muss hier möglicherweise ausprobiert werden, welcher Eingang der richtige ist.

Audacity-Einstellungen

Unter dem Menüpunkt „Qualität“ sind die Samplefrequenz und das Sampleformat auszuwählen. Ich empfehle 44100 Hz bei 16-bit.

Audacity-Einstellungen

Weitere Einstellungen sind zunächst nicht notwendig. Die Aufnahme kann jetzt direkt gestartet werden. Zur besseren Aussteuerung (siehe oben bei „Pegel“ bzw. „Eingangspegel“) empfiehlt es sich, die Pegelanzeige per Doppelklick aus der Symbolleiste zu lösen und zu vergrößern. Selbstverständlich arbeitet Audacity auch mit den professionellen Soundkarten von RME zusammen.

Audacity während einer laufenden Aufnahme

Nach der Aufnahme kann diese noch geschnitten werden. Hierzu den gewünschten Bereich markieren und die Entfernen-Taste betätigen (Tastatur). Um nun die WAV-Datei abzuspeichern, klickt man im Menü Datei auf Exportieren, wählt den Speicherort, vergibt einen Dateinamen und wählt als Dateityp „WAV (Microsoft) 16-bit PCM“.

Audacity-Export

Hat man bis zu dieser Stelle auf Qualität geachtet und speichert man jetzt als MP3 ab, gehen auch bei einer hohen Bitrate viele Informationen verloren. Wird eine lineare Aufnahme (PCM/WAV) einmal als MP3 oder in einem anderen datenreduzierten Format (z. B. OGG oder AAC) abgespeichert, kann daraus nie wieder das Original reproduziert werden. Gerade in Anbetracht sinkender Preise für Festplatten sollte man sich besser dafür entscheiden, seine Aufnahmen in Originalqualität zu archivieren.

(Alle Angaben ohne Gewähr.)

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